Wir blättern in der Vereinsgeschichte des Arbeitergesangvereins Liederkranz Sambach

(Ansprache zum 75-jährigen Jubiläum 1975)

Werte Musik- und Sangesfreunde, meine Damen und Herren!

Im Jahre 1900 taten sich in Sambach einige junge Männer zusammen, um einen Gesangverein ins Leben zu rufen.

Obwohl in vielen Orten zum Teil schon Jahrzehnte Gesangvereine bestanden, war das in diesem Falle doch etwas besonderes, da die 25 Sänger, die die Singstunden besuchten, mehr aIs 10% der damals 200 Einwohner zählenden Gemeinde ausmachten.

Im Jahre 1913 wurde der Wunsch laut, eine Fahne anzuschaffen, die dann im Juli 1914 feierlich eingeweiht wurde. Doch schon drei Wochen später wurde die Freude durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges getrübt.

Nach Kriegsende kehrten 9 junge Männer nicht mehr zurück, davon 5 Sänger.

Um im Jahre 1919 wieder mit dem Singen zu beginnen, bedurfte es einer Genehmigung der damaligen französischen Militärregierung.

Das 25- und 30-jährige Bestehen wurde mit vielen Brudervereinen gefeiert.

Leider fiel das 40-jährige dem 1939 beginnenden zweiten Weltkrieg zum Opfer. Auch aus diesem Krieg kehrten 15 Männer, zum größten Teil Sänger, nicht mehr zurück.

1946 waren es wieder die Franzosen, die die Weiterführung des Vereins genehmigen mußten.

Die 50-Jahrfeier wurde 1950 mit mehreren Brudervereinen im Rahmen eines Sängerfestes abgehalten.

Beim 60-jährigen Jubiläum wurde ein Fest-Konzert veranstaltet, das sicher noch vielen Anwesenden in angenehmer Erinnerung ist.

Da6 wir auch gernischt singen; dieses wurde aus der Not geboren; denn bis vor ein paar Jahren konnten wir noch mit dem Männerchor am offenen Grab eines Mitgliedes, oder dessen Ehefrau singen. Wie Sie sicher! ich wissen, wurde es für die Sänger immer schwerer für diesen Zweck von der Arbeit freizukomrnen, daher wandten wir uns an die Frauen.

Unser Ruf blieb nicht ungehört und so konnten wir weiterhin bei den Beerdigungen, wenn auch gemischt, singen. Dafür möchte ich an dieser Stelle im Namen des Vereins den Frauen recht herzlich danken.

Meine Damen und Herren,

sie werden schon bemerkt haben, daß ich mich auf wenige Einzelheiten unseres Chorlebens beschränke; doch zwei Männer wilI ich von alI den Vorständen und Chorleitern hervorheben:

Dies sind Karl Jung und Rudolf Galle, die leider nicht mehr unter uns weiIen. Rudolf Galle hat 1919 als junger Mann den Verein übernommen und bis zu seinem Tode mit kurzen Unterbrechungen 35 Jahre den Chor geleitet. Er hat in dieser Zeit Höhen und Tiefen, sowie Enttäuschungen, aber auch viel Freude mit den Sängern geteilt.

Karl Jung war 30 Jahre erster Vorsitzender; was da an Zeit, Arbeit und Idealismus dazugehört, kann nur der ermessen, der im Vereinsleben steht, oder schon gestanden hat. Im Jahre 1957 wurde er für seine Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt.

------

Mögen nach dieser Geburtstagsfeier Friede und Freundschaft auch in den kommenden Jahren die Grundakkorde unserer liederfrohen Arbeit bilden und die heranwachsende Jugend überzeugen, daß unser Singen im Chor zu der sinnvolIsten Freizeitbeschäftigung gehört.

Möge sich die Jugend mal wieder dem "Deutschen Lied" widmen und soviel Idealismus aufbringen, um das Werk ihrer Väter weiterzuführen; denn ohne die Jugend ist es um den Chorgesang und wie gesagt, um das "Deutsche Lied" in Zukunft schlecht bestellt.

In der Hoffnung, daß der Verein weiterhin als Kulturträger in Sambach erhalten bleibt, schließe ich mit dem Spruch, den unsere Vorfahren schon im Jahre 1914 auf die Fahne schrieben:

"SEID IHR VON DER ARBEIT MÜDE, IST NOCH KRAFT ZU EINEM LIEDE"